Die Geschlechter auf
Gut Basthorst und ihre Regentschaft:

Familie von Schack (1391-1648)

Familie von Uffeln (1648-1721)
Familie von Plessen (1721-1796)

Familie von Buchwald (1796-1819)
Familie Graf von Holstein (1819-1843)
Familie Freiherr von Brusselle (1843-1944)

Familie Freiherr von Ruffin (ab 1944)
Geschichte

Geschichte

Seit dem Mittelalter befindet sich das Kunkel-Lehensgut in direkter Erbfolge im Besitz von bekannten Adelsfamilien, die als Gutsherren bis zum Jahre 1876 in dem selbständigen, aus drei Dörfern bestehenden Kleinstaat „Adelich Gericht Basthorst“ die Rechtssprechung ausübte und mit ihren drei Vögten das Land verwalteten. Die Kunkel bzw. Spindel ist das Zeichen der Frau. Dies ins Lehnrecht gehörende Sprichwort handelt von der weiblichen Erbfolge hinsichtlich der Lehngüter und sagt, dass die Lehen nur an Söhne fallen, weil zur Einführung der Lehen ursprünglich der Kriegsdienst Veranlassung gab. Aus besonderer Rücksicht hat man aber in späterer Zeit diese Güter bei Mangel männlicher Erben den weiblichen gelassen, in der Meinung, sie könnten durch einen Lehnsträger die Kriegsdienste verrichten lassen. Diese Lehen hiessen Weiber- (Schleier-, Kunkel-) Lehen.
Geschichte
Basthorst war schon früh ein mächtiger Rittersitz mit beträchtlicher Grösse. Mit einer Fläche von rund 4.000 ha zählte Basthorst zu den ältesten und grössten Rittersitzen im Herzogtum Lauenburg. Historische bundesweite Zeitgeschichte haben die Herren von Basthorst zwar nicht geschrieben, aber ihr Einfluss auf das Geschehen im Herzogtum Lauenburg und unserer weiteren Heimat ist vielfach nachweisbar.
Das Rittergeschlecht der Schacken gehörte neben dem Herzog von Lauenburg zu den einflussreichsten und bedeutendsten Grundherren der Region. Ein Spross dieses Hauses wird in der ältesten uns erhaltenen Urkunde aus dem Jahre 1391 als „Johann Schacken to der Basthorst“ erwähnt. Basthorst selbst wurde erstmalig offiziell am 29. März 1278 in einer Urkunde ernannt (man geht aber davon aus, dass bereits mindestens 35 Jahre vorher die Existenz begann). Damit beginnt die nachweisbare Geschichte des adligen Gutes. Alle Schacks waren selbstbewusste, sehr streitbare Persönlichkeiten. Es gab eine Vielzahl von Fehden und Duellen, u.a. sei hier beispielhaft ein Duell im Jahre 1645 wegen einer nicht standesgerechten Tischordnung zwischen den Adelsmännern Hartwig Asche von Schack und Otto von Blome erwähnt, bei der beide Herren ins Schwert fielen und als Folge einer Nichteinigung unter den Erben das Gut an die Familie von Uffeln überging. (die Nachkommen der Familie von Schack gründeten übrigens nach Verlust der Herrschaft im lauenburgischen Basthorst mit dem Kauf des Lehngutes Rehhagen (in 1649) und durch Bau eines Schlosses (in 1824) im Andenken und Heimatverbundenheit an Ihren alten Gutsbesitz in Mecklenburg-Vorpommern ein zweites Basthorst, das heute als Schlosshotel durch die Servaas Schlosshotel GmbH geleitet wird). Eine andere Anekdote stammt aus dem Jahr 1614/15, wo Helmold von Schack nach einer durchfeierten Sylvesternacht samt Kutscher, Kutsche und Pferden bei seiner Rückkehr aus der Stadt in die Bille fiel, von dort durch die Grander gerettet wurde, doch mit der Konsequenz, dass diese ihm Kutsche und Pferde nehmen wollten. Denn nach alter Tradition war alles, was aus der Bille kommt, als Strandgut zu sehen. Es folgte eine langjährige Auseinandersetzung zwischen den Parteien, die mit einer gleichteiligen Aufteilung des Streitgutes endete.

Gut Basthorst 1278

In den Wirren des 30-jährigen Krieges trat eine neue schillernde Figur auf die Basthorster Bühne: Herzog Franz Albrecht, der jüngere Bruder des Herzogs von Lauenburg, der am 22. Juni 1638 kurzerhand das Gut okkupierte. Unter dem Vorwand, die Untertanen vor marodierenden Soldaten zu schützen, ließ er das Gut um das Jahr 1640 mit Bastionen und ersten Ansätzen für einen breiten Wassergraben befestigen. Leider wurden Abschnitte der sonst heute noch sichtbaren Wehranlagen in der südlichen Achse später wieder geschliffen, so dass das Gut weniger wehrhaft in nachfolgenden Kriegen Überfällen ausgeliefert war. Erst nach dem zweiten Weltkrieg folgte der endgültige Ausbau des heute noch in Teilen existierenden und in gutem Zustand befindlichen Burggrabens.

Mit der Familie von Uffeln begann in Basthorst ein neuer Abschnitt der Erbfolge. 1648 kaufte der niederländische Kaufmann Peter von Uffeln das Gut und setzte durch, dass es zu einem Kunkel-Lehensgut wurde, also auch eine Frau das Gut erben durfte. Die wohlhabenden Kaufleute haben sich durch grosszügige Donationen für ihre Patronatskirche ein bleibendes Denkmal gesetzt. Der Marmor-Altar, ein mit 36 Pferden vom Feld gezogener Stein, und auch das daneben befindliche Kirchenfenster mit den vielen Wappen der Uffeln stammen aus dieser Zeit. Auch andere soziale Projekte wurden von den Uffeln unterstützt, wie z.B. die Gründung der ältesten sozialen Einrichtung Hamburgs, der niederländischen Armenkasse. Der letzte Familienvertreter in Basthorst, Johann Dominicus von Uffeln hatte keine unmittelbaren Nachkommen, dafür zahlreiche Schwestern. Katharina (Grete) heiratete Heinrich v. Plessen, deren Sohn, Georg Detleff v. Plessen, 1721 Nachfolger in Besitz und Lehnsherr wurde. Der älteste Sohn Heinrich Detleff hatte ein eigenartiges Schicksal. Er entfernte sich im Winter 1770 bei sehr hohem Schnee von Basthorst und wurde nicht wieder gesehen. So wurde seine Tochter Eleonore Elisabeth, die mit dem Konferenzrat Schack von Buchwald verheiratet war, Erbin. Doch auch ihr Mann starb im selben Jahr wie ihr Bruder. Sie führte den Gutsbetrieb noch bis 1796, bis ihr Sohn die Erbfolge antrat. Um 1770 wurde seine Schwester Amalie Sophie von Buchwald Hofdame der dänischen Königin Caroline Mathilde und genoss dort das sinnenfrohe Leben des Rokokos. Sie heiratete 16jährig einen Grafen Holstein und sollte später Stammmutter weiterer Geschlechter in der Familienfolge werden, obwohl weder sie noch ihr Mann jemals Besitzer des Gutes waren. Buchwald hatte testamentarisch als seinen Nachfolger den einzigen Sohn seiner Schwester, Christian Detlev Graf von Holstein bestimmt, der 1819 seine Pflichten übernahm. 1843 übergab er das Gut an sein einziges Kind und leidenschaftliche Reiterin, die Tochter Sofie Emilie Warwara, die 1838 den Rittmeister Josef Freiherr von Brusselle geheiratet hatte. Josef Brusselle war ein ernster von hohen Idealen erfüllter Offizier, der den Pflichten und der Verantwortung für das Erbgut seiner Frau Vorrang vor einer vielleicht verlockenden Offizierskarriere gab.

Die Freiherren von Brusselle haben im Verlauf ihrer hundertjährigen Geschichte das Gut aus den feudalen Strukturen in die Neuzeit geführt. Erst die Mechanisierung und später die Motorisierung veränderten die Arbeit auf dem Lande radikal. Neue, moderne Wirtschaftsgebäude entstanden, die noch heute an den schmiedeeisernen grossen Lettern „v.B.“ erkennbar sind.

Die Regentschaft der „von Ruffin“ begann im Jahre 1944 unter den schrecklichen Bedingungen des zu Ende gehenden 2. Weltkrieges. Als Franz von Ruffin das Gut von seinem Onkel Joseph von Brusselle übernahm, waren dort mehr als 150 Flüchtlinge einquartiert. Mit hohem sozialen Verantwortungsbewusstsein siedelte er diese Familie dauerhaft in die Dorfkultur ein. Erst nach und nach kam die Landwirtschaft wieder in Gang, die in dieser Zeit von der Getreide-Viehwirtschaft auf den reinen Anbau von Getreide, Raps und Zuckerrüben umgestellt wurde. Franz v. Ruffin lag vor allem das Gemeinwohl am Herzen; er nahm mit großer Umsicht seinen Sitz in der Gemeindevertretung und sein Amt als weltlicher Patron der St. Marienkirche wahr. Sein Nachfolger und heutiger Besitzer Enno v. Ruffin trat in diese Pflichten ebenfalls ein und unterstützt seither als langjähriger Kirchenpatron und Gemeinderat die heutige Entwicklung des Dorfes mit leidenschaftlichem Engagement. Die Metamorphose des Gutsbetriebs in die moderne Zeit wurde durch die Familie v. Ruffin wesentlich geprägt und vorangetrieben.